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Autistische Meltdowns verstehen

  • Autorenbild: Vanessa "Janna" Spies
    Vanessa "Janna" Spies
  • 30. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Warum sie Notbremsen sind – und wie bewusste Vorbereitung echte Sicherheit schafft


Titelbild zum Blogartikel „Autistische Meltdowns verstehen“. Links eine Person in starker Überforderung mit den Händen am Kopf. In der Mitte ein leuchtend dargestelltes Gehirn mit Nervenbahnen als Symbol für neuronale Überaktivierung. Rechts ein ruhiger Bereich mit Kissen, Kopfhörern und gedämpftem Licht als Zeichen für Sicherheit, Vorbereitung und Regulation.

Ein autistischer Meltdown ist kein Ausnahmezustand, der „plötzlich passiert“.

Er ist das Ergebnis eines Nervensystems, das über längere Zeit mehr verarbeitet hat, als integrierbar war.


Reize, Erwartungen, soziale Signale, innere Spannungen, unausgesprochene Bedürfnisse.

Das System hält, kompensiert, passt sich an. Oft sehr lange.


Bis es nicht mehr geht.



Was neurobiologisch passiert


Kurz vor einem Meltdown ist das Gehirn bereits dabei, Ressourcen umzuschichten.

Bereiche, die für Sprache, Planung, Selbstkontrolle und bewusste Regulation zuständig sind, verlieren ihre Priorität. Die Verarbeitung verlagert sich in tiefere Ebenen des Nervensystems.


Das bedeutet ganz konkret:

Techniken sind in diesem Moment nicht mehr abrufbar.


Reflexion ist nicht mehr möglich.

„Mach doch mal kurz …“ erreicht niemanden mehr.


Der Körper übernimmt, weil er es muss.

Der Meltdown ist eine massive Entladung aufgestauter Energie. Schreien, Weinen, Werfen, Zittern, Zusammenbrechen. Nicht zielgerichtet, nicht kontrolliert, nicht steuerbar. Der Körper sucht einen Weg, Spannung loszuwerden.


Danach folgt häufig Erschöpfung. Leere. Manchmal auch Klarheit. Biologisch betrachtet hat das Nervensystem reguliert.



Warum Regulation nicht im Meltdown beginnt


Alles, was während eines Meltdowns passiert, ist Reaktion.


Regulation beginnt davor. Immer.


Nur im regulierten Zustand ist das Gehirn lernfähig.

Nur dort können Muster erkannt, Sicherheit aufgebaut und Abläufe gespeichert werden.


Das Entscheidende ist nicht die Frage:

Was mache ich im Meltdown?


Sondern:

Was braucht mein Nervensystem, wenn es so weit kommt?



Nach dem Meltdown reflektieren – nicht mitten drin


Reflexion gehört immer in die Phase danach.

Wenn das System wieder klar ist. Wenn Sprache zurück ist. Wenn Denken möglich ist.


Hilfreiche Fragen können sein:


  • Was hat sich kurz vorher immer wieder gezeigt?

  • Welche Signale tauchen bei mir zuverlässig auf?

  • Was hat mir in diesem Moment gefehlt?

  • Was hätte mein Körper gebraucht, um sicher zu entladen?



Oft wiederholen sich Bedürfnisse sehr deutlich.

Rückzug. Dunkelheit. Druck. Bewegung. Laut sein dürfen. Allein sein. Oder jemand, der einfach da ist.



Wenn andere Menschen anwesend sind


Auch das gehört in den regulierten Zustand: Kommunikation im Voraus.


Nicht im Erklären während eines Meltdowns, sondern vorher.


Was brauche ich von Menschen, die mir nah sind?


  • Abstand oder Nähe?

  • Schweigen oder Präsenz?

  • Ein Handzeichen statt Worte?

  • Die Sicherheit, dass niemand eingreift?



Diese Informationen dürfen klar ausgesprochen werden, solange es möglich ist. Nicht als Rechtfertigung, sondern als Selbstfürsorge.



Wenn du allein bist: Sicherheit vorbereiten


Alleinsein bedeutet nicht, unvorbereitet zu sein.


Viele Meltdowns werden gefährlich, weil impulsive Bewegungen auf ungeeignete Gegenstände treffen. Glas. Spraydosen. Harte, schwere Dinge. Dinge, die explodieren oder schneiden können.


Bewusste Vorbereitung kann hier enorm viel verändern:


  • Einen festen Ort, an den du dich zurückziehst

  • Kissen, Decken, weiche Gegenstände zum Werfen oder Schlagen

  • Einen Boxsack, ein großes Kissen, eine Matte

  • Das bewusste Einüben: Wenn ich merke, dass es kippt, stelle ich alles ab, was ich gerade in den Händen halte.


Dieses „Abstellen“ funktioniert nur, wenn es vorher trainiert wurde.


Das Gehirn speichert Abläufe, die im regulierten Zustand wiederholt wurden.


Immer wieder hinschauen.

Den Ort kennen.

Die Gegenstände bewusst wahrnehmen.

Sich innerlich erlauben: Der Körper darf übernehmen. Ich sorge für Sicherheit.



Unterwegs: kleine Anker für große Zustände


Auch außerhalb der eigenen vier Wände kann Vorbereitung helfen.


Mögliche Anker für unterwegs:


  • Ein kleines, robustes Objekt zum Drücken oder Werfen

  • Ein festes Tuch oder Schal für Druck

  • Noise-Cancelling-Kopfhörer

  • Ein klar definierter Rückzugsort im öffentlichen Raum

  • Das Wissen: Ich darf mich entfernen. Jetzt.



Nicht als Technik, sondern als innere Erlaubnis.



Bewusstsein als tragender Rahmen


Bewusstsein bedeutet hier nicht Kontrolle. Bewusstsein bedeutet Verständnis.

Zu wissen, dass Meltdowns kommen können.

Zu wissen, dass der Körper nicht gegen dich arbeitet.

Zu wissen, dass Vorbereitung kein Schwächezeichen ist, sondern Intelligenz.


Ein Nervensystem, das Notbremsen braucht, hat lange getragen.


Sich darauf vorzubereiten ist kein Aufgeben.

Es ist Selbstschutz auf tiefster Ebene.



Eine Einladung zur Unterstützung


Manche Menschen regulieren sich ausschließlich über innere Abläufe, andere brauchen zusätzlich äußere Anker. Beides ist vollkommen legitim.


Aus genau diesem Verständnis heraus sind auch meine eigenen Angebote entstanden. Nicht als Lösung für den Meltdown selbst, sondern als vorbereitende Co-Regulation, solange das Nervensystem noch erreichbar ist.


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