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Warum erzähle ich so viel, obwohl ich das eigentlich gar nicht will?

  • Autorenbild: Vanessa "Janna" Spies
    Vanessa "Janna" Spies
  • 15. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit
Nachdenkliche Frau mit Sprechblasen, Gehirn- und Herzsymbolen vor blau-orangefarbenem Hintergrund zum Thema Oversharing und Neurodivergenz.

Du kennst diesen Moment.


Du redest.

Und während du redest, merkst du:

Das ist gerade sehr viel.


Sehr persönlich.

Sehr ehrlich.

Sehr nackt.


Und gleichzeitig kannst du nicht mehr zurück.


Später liegst du vielleicht im Bett und denkst:

Warum habe ich das erzählt?

Warum bin ich immer so offen?

Warum kann ich nicht einfach normal antworten?


Wenn du neurodivergent bist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du dieses Muster kennst. Und nein – das ist kein Charakterfehler.




Es ist kein „zu viel“. Es ist ein anderes Verbindungssystem.



Viele neurodivergente Menschen erleben Beziehung nicht über Oberfläche, sondern über Tiefe.


Small Talk fühlt sich künstlich an.

Austausch ohne Echtheit wirkt sinnlos.

Echte Verbindung entsteht über Ehrlichkeit.


Wenn du etwas Persönliches teilst, passiert innerlich etwas sehr Starkes:


Du öffnest dich.

Du gehst in Resonanz.

Du bietest echte Nähe an.


Für dein System fühlt sich das nicht wie Grenzüberschreitung an, sondern wie Integrität.



Was im Gehirn wirklich passiert



Gerade bei ADHS oder Autismus arbeitet das soziale und emotionale System anders.


  • Gedanken sind stark vernetzt

  • Emotionen sind intensiv

  • Impulse sind schnell

  • Authentizität ist ein Grundbedürfnis



Wenn ein Gespräch Tiefe bekommt, aktiviert das dein Belohnungssystem.

Bedeutung erzeugt Dopamin.

Verbindung erzeugt Erleichterung.


In diesem Moment fühlt sich das Teilen richtig an. Nicht unkontrolliert, sondern stimmig.



Und dann kommt die Scham,



weil dein Gehirn nachträglich in den Bewertungsmodus geht.


Was denken sie jetzt?

War das unangemessen?

War ich zu intensiv?


Viele neurodivergente Menschen haben eine hohe Sensitivität für soziale Ablehnung.


Das bedeutet: Das Nachspüren ist oft stärker als bei anderen.


Du warst offen. Und danach fühlt sich dein Nervensystem plötzlich exponiert.


Das ist kein Drama.

Das ist ein Schutzmechanismus.


Dein System prüft: War das sicher?




Vielleicht war es nie das Teilen, sondern das fehlende Navigationssystem.



Was viele neurodivergente Menschen nicht gelernt haben, ist nicht Authentizität.


Sie haben nicht gelernt, wie man Authentizität bewusst steuert.


Sie kennen nur zwei Zustände:


Alles teilen.

Oder komplett dichtmachen.


Und beides fühlt sich nicht richtig an.


Was fehlt, ist ein inneres Navigationssystem.

Ein Gefühl dafür:


Was gehört wohin?

Wann ist ein Raum sicher?

Wie bleibe ich echt, ohne mich zu überfordern?


Nicht weniger Echtheit.

Mehr Bewusstheit.





Du bist nicht zu viel. Du bist ungeführt intensiv.



Intensität ist kein Fehler.

Tiefe ist kein Defizit.

Ehrlichkeit ist keine Schwäche.


Aber ohne innere Struktur fühlt sich Authentizität manchmal wie Kontrollverlust an.


Und genau hier beginnt Selbstführung.


Nicht durch Unterdrückung.

Nicht durch Masking.

Sondern durch Klarheit.


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