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AuDHS, Chaos und Struktur

  • Autorenbild: Vanessa "Janna" Spies
    Vanessa "Janna" Spies
  • 14. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Jan.

Warum dein Nervensystem wichtiger ist als Ordnung


Chaos muss nicht gelöst werden, um Ruhe zu finden. Manchmal reicht es, dem Nervensystem kurz Raum zu geben.
Chaos muss nicht gelöst werden, um Ruhe zu finden. Manchmal reicht es, dem Nervensystem kurz Raum zu geben.

Wenn alles gleichzeitig unfertig ist


Viele Menschen mit AuDHS kennen diesen Zustand.

Zu viele offene Dinge. Zu viele Gedanken. Zu wenig Struktur. Und das Gefühl, man müsste jetzt endlich „mal Ordnung reinbringen“.


Nicht nur im Außen, sondern auch im Kopf.


Dabei ist es oft gar nicht das Chaos selbst, das so belastet.


Es ist der Umgang damit.


Dieses innere Antreiben. Dieses ständige Gefühl, etwas falsch zu machen. Dieses Denken, dass es erst besser werden darf, wenn alles sortiert ist.



Chaos ist für ein AuDHS-Gehirn nichts Ungewöhnliches


Ein AuDHS-Gehirn verarbeitet Informationen nicht linear. Gedanken, Ideen, Eindrücke kommen parallel. Oft ungeordnet. Oft sprunghaft. Oft viel.


Das ist keine Fehlfunktion.

Es ist eine andere Art, Informationen zu verarbeiten.


Was jedoch schnell passiert, ist Stress. Nicht, weil Chaos da ist, sondern weil das Nervensystem permanent versucht, sich an eine Struktur anzupassen, die gerade nicht erreichbar ist.


Der Körper bleibt dabei im Alarm. Auch dann, wenn objektiv gar keine Gefahr besteht.



Das Nervensystem unterscheidet nicht zwischen realem und innerem Druck


Aus neurobiologischer Sicht ist das wichtig zu verstehen.


Das Nervensystem reagiert nicht auf To-do-Listen, sondern auf Überforderung.


Wenn du innerlich denkst, ich komme nicht hinterher, ich verliere die Kontrolle, das darf nicht so sein, geht dein System in Anspannung. Herzschlag verändert sich. Atmung wird flacher. Gedanken werden schneller oder chaotischer.


Ordnung im Außen hilft dann oft weniger als erwartet.


Man räumt auf und fühlt sich trotzdem nicht besser.



Die entscheidende Frage ist nicht: Wie werde ich ordentlich?


Die entscheidende Frage ist:

Was belastet mein Nervensystem gerade am meisten?


Und diese Antwort ist oft überraschend.


Manchmal ist es nicht das gesamte Chaos.

Sondern eine einzelne Sache.


Ein Stapel.

Ein Geräusch.

Ein offener Raum.

Ein unerledigtes Gespräch.


Wenn man das erkennt, entsteht zum ersten Mal Wahlfreiheit.



Ein kleiner innerer Entscheidungsbaum


Stell dir vor, du bleibst einen Moment stehen und fragst dich:


Was ist gerade das Schlimmste für mich?


Nicht theoretisch.

Körperlich.


Und dann teilst du innerlich auf.



Möglichkeit 1


Ich kann einen kleinen Bereich ordnen und mich daran erfreuen.


Vielleicht nur den Tisch.

Oder eine Ecke.

Nicht, um alles richtig zu machen, sondern um dem Nervensystem ein Signal von Übersicht zu geben.


Schon ein kleiner aufgeräumter Bereich kann reichen, damit der Körper etwas loslässt.



Möglichkeit 2


Ich kann gerade nichts ordnen und brauche inneren Abstand.


Dann ist es völlig legitim, die Augen zu schließen.

Sich innerlich eine ruhige, aufgeräumte Umgebung vorzustellen.

Oder kurz den Raum zu verlassen.


Das Nervensystem reagiert auch auf innere Bilder. Nicht nur auf reale Ordnung.



Möglichkeit 3


Ich kann akzeptieren, dass es jetzt gerade so ist.


Das ist oft der schwerste Schritt.

Aber auch der entlastendste.


Akzeptanz heißt nicht, dass es für immer so bleibt.

Es heißt nur, dass du aufhörst, im Moment gegen dich selbst zu kämpfen.



Warum Akzeptanz nichts mit Aufgeben zu tun hat


Viele Menschen mit AuDHS haben Angst, dass Akzeptanz bedeutet, sich im Chaos einzurichten.

Das Gegenteil ist der Fall.


Erst wenn der innere Widerstand nachlässt, entsteht wieder Bewegung.

Erst dann wird Struktur überhaupt möglich.


Dauerhafte Veränderung entsteht nicht aus Druck, sondern aus einem regulierten Nervensystem.



Bewusstsein heißt hier nicht, alles schönzufühlen


Bewusstsein bedeutet in diesem Zusammenhang etwas sehr Nüchternes.

Wahrnehmen, was ist. Ohne es sofort verändern zu müssen.


Zu merken, wo ich mich selbst antreibe.

Zu merken, wo ich mich beschäme.

Zu merken, wo ich glaube, so dürfe es nicht sein.


Allein diese Wahrnehmung verändert oft schon etwas im Inneren.



Du wirst nicht dein Leben lang im Chaos sitzen


Dieser Gedanke taucht bei AuDHS häufig auf.

Wenn es jetzt so ist, dann bleibt es so.


Das stimmt nicht.


Zustände sind Momentaufnahmen.

Nervensysteme sind beweglich.

Struktur entsteht oft wellenförmig, nicht linear.


Es geht nicht darum, dein Leben zu sortieren.

Es geht darum, diesen Moment tragbarer zu machen.



Fazit


AuDHS, Chaos und Struktur sind kein Entweder-oder.

Die entscheidende Frage ist nicht, wie ordentlich etwas aussieht, sondern wie sicher sich dein Nervensystem gerade fühlt.


Wenn du beginnst, nicht gegen das Chaos zu kämpfen, sondern dich zu fragen, was dir jetzt wirklich hilft, entsteht etwas Neues.

Mehr Frieden. Mehr Spielraum. Und oft auch mehr Struktur, ganz von selbst.


Nicht perfekt.

Aber tragfähig.


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