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✦ Warum neurodivergente Menschen ständig Dinge verlegen – und wie wir uns das Leben leichter machen können

  • Autorenbild: Vanessa "Janna" Spies
    Vanessa "Janna" Spies
  • 6. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit
Eine junge Frau steht entspannt in einer leicht chaotischen Küche und lächelt zufrieden. Auf der Holzarbeitsplatte liegen Schlüssel, eine Tasse Kaffee und verschiedene Behälter. Warmes Sonnenlicht fällt auf sie und erzeugt eine ruhige, selbstbewusste Atmosphäre.
Nicht perfekt, aber ganz ich – genau hier, genau jetzt.

Es wirkt wie ein Klischee. Wie eine dieser übertriebenen ND-Eigenheiten, über die man lacht. Aber es ist real. Und für viele von uns täglich präsent:


Du legst deinen Schlüssel irgendwo hin – und eine Sekunde später ist er weg. Du packst dein Handy „extra sichtbar“ auf den Tisch – und plötzlich existiert es nicht mehr. Du weißt genau, dass du etwas „an einen sicheren Ort“ gelegt hast – und dieser Ort löst sich scheinbar in Luft auf.


Für neurotypische Menschen ist das unverständlich. Für uns neurodivergente Menschen ist es Alltag.


Doch es ist nicht Faulheit.

Nicht Chaos.

Nicht „fehlende Ordnung“.


Es ist Neurobiologie.



✦ Warum ND-Gehirne Dinge so schnell „verlieren“



Neurodivergente Gehirne – egal ob ADHS, Autismus, AUDHS oder Mischformen – arbeiten anders:



1. Der Fokus ist kontextabhängig, nicht ortsabhängig


NT-Gehirne merken sich Orte („Der Schlüssel liegt auf dem Schuhschrank“).


ND-Gehirne merken sich Zustände („Der Schlüssel war da, als ich losrennen wollte“). Ist der Zustand vorbei, verschwindet die Erinnerung mit.



2. Das Gehirn nimmt Informationen in Wellen auf


Wenn du etwas hinlegst, aber deine Gedanken schon vier Schritte weiter sind, kommt der Moment nicht tief genug ins Gedächtnis.


Das nennt man: fehlende Verkettung.


Dein Gehirn war schon im nächsten Fenster offen, während der Gegenstand abgelegt wurde.



3. ND-Gehirne brauchen sichtbare Reize, sonst „existiert“ der Gegenstand nicht


Wenn etwas nicht sichtbar ist, wird es im Kopf gelöscht, weil das Gehirn auf energetische Relevanz priorisiert, nicht auf Logik.


Das heißt: Was du nicht siehst, verschwindet komplett aus deiner Wahrnehmung.



4. ND-Gehirne sind ständig in Bewegung


Du gehst nie einfach nur in einen Raum. Du denkst, fühlst, planst, analysierst bereits fünf Dinge gleichzeitig. Bei dieser Geschwindigkeit hat ein Schlüssel keine Chance, zu einem „bewussten Ereignis“ zu werden.



✦ Die Wahrheit ist:


Wir verlegen Dinge nicht, weil wir unordentlich sind. Wir verlegen Dinge, weil unser Gehirn unfassbar schnell arbeitet.


Und ganz ehrlich: Das ist auch eine Stärke. Ein lebendiges Gehirn vergisst Dinge. Aber es erschafft auch Wunder.



✦ Strategien, die WIRKLICH für ND-Menschen funktionieren


Kein „räum’s halt immer an denselben Ort.“

Kein „sei einfach strukturierter.“

Kein „mach dir doch einen Plan.“


Das alles funktioniert nur in Theorie – aber nicht für ein Gehirn, das anders verdrahtet ist.


Hier kommen Strategien, die ND-Logik berücksichtigen, statt dagegenzuarbeiten:


1. Alles, was wichtig ist, braucht einen festen, gekennzeichneten Ort


Nicht einfach „ein Platz“.

Sondern:


🟣 sichtbar

🟣 erreichbar

🟣 immer gleich

🟣 ohne andere Gegenstände drum herum

🟣 am besten mit Beschriftung


ND-Gehirne brauchen klare Reize.

Je eindeutiger der Ort, desto sicherer der Anker.


2. Nutze Tracker – ohne schlechtes Gewissen


Diese kleinen Ortungsgeräte sind kein Tool „für Chaoten“. Sie sind ein Tool für ND-Gehirne.


Schlüssel? Tracker.

Geldbeutel? Tracker.

Earpods? Tracker.

Tasche? Tracker.

Kinderspielzeug? Tracker, wenn nötig.


Es ist Selbstfürsorge, keine Schwäche.


3. Everything bowl – die ND-Schale


Eine große, sichtbare Schale, Korb oder Box im Eingangsbereich.


Alles, was du irgendwo hinlegen würdest, geht in diese eine Schale:


🟣 Schlüssel

🟣 Handy

🟣 Kleingeld

🟣 Kopfhörer

🟣 Lippenpflege

🟣 Sonnenbrille


Eine Schale ist besser als hundert Orte. Das Gehirn weiß: „Wenn ich etwas suche – es ist dort.“


4. Der „Notausgang“ für unterwegs


Wenn du unterwegs bist und merkst:

„Ich muss es weglegen, aber ich kann es mir nicht merken“:


🟣 vordere Tasche

🟣 eine fest definierte Stelle in der Handtasche

🟣 oder: mach sofort ein Foto (auch das hilft)


ND-Gehirne merken sich Orte besser, wenn der Körper eine Handlung damit verknüpft.


5. Beschriften, markieren, bündeln


ND funktioniert über Reize.


Je klarer die Reize, desto weniger Dinge gehen verloren:


🟣 farbliche Sticker

🟣 Symbole

🟣 farbige Schlüsselbänder

🟣 „Wie sieht es aus?“-Gedächtnisstützen

🟣 Boxen pro Kategorie (und wirklich jede Box beschriftet)


Beschriftung ist kein Zeichen von Unfähigkeit, sondern ein Werkzeug, das dein Gehirn liebt.



✦ Und das Wichtigste:


Hör auf, dich dafür zu verurteilen.


Es ist nicht dein Mangel.

Es ist dein Muster.

Dein Gehirn arbeitet schnell, kreativ, vibrierend, intuitiv.


Ja, das führt dazu, dass du Dinge verlegst.


Aber es führt auch dazu, dass du:


🟣 lösungsstark

🟣 blitzintelligent

🟣 kreativ

🟣 schnell verstehend

🟣 tief empfindend

🟣 außergewöhnlich fähig


bist.


Du bist nicht chaotisch. Du bist anders organisiert.

Und das ist vollkommen in Ordnung.


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