🌿 Wenn Struktur dich erstickt: Warum neurodivergente Menschen ihren eigenen Weg gehen müssen
- Vanessa "Janna" Spies

- 20. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Es gibt diesen Moment, in dem du etwas tun willst, weil es sich in dir richtig anfühlt.
Nicht logisch.
Nicht strategisch.
Nicht geplant.
Sondern nach Herz.
Nach innerem Ziehen.
Nach „Es ist Zeit“.
So ging es mir mit meinem Podcast.
Ich wollte ihn machen, noch bevor ich wusste, wie. Noch bevor ich ein Cover hatte. Noch bevor irgendein Plan stand. Es war ein Gefühl. Ein sanftes Drängen. Ein „Das hier will jetzt geboren werden.“
Und dann – wie automatisch – meldete sich mein Kopf. Dieser alte, vertraute Impuls:
„Okay, wie strukturieren wir das? Was wäre die ideale Reihenfolge? Wie baut man so etwas am besten auf?“
Und in genau diesem Moment… hat sich alles in mir verschlossen.
Plötzlich war die Freude weg.
Die Energie weg.
Die Klarheit weg.
Nur noch Druck, Enge, Widerstand.
Es fühlte sich nicht mehr nach mir an. Es fühlte sich nach früher an.
Nach der alten Version von mir, die geglaubt hat, dass man Dinge nur dann richtig macht, wenn man sie nach Regeln macht. Nach Kursen und Strategien, die immer klüger klangen als mein eigenes Herz. Nach dem Versuch, linear zu denken, obwohl ich nie linear war.
Und plötzlich wusste ich:
Ich bin nicht mehr diese Frau.
Ich passe nicht mehr in neurotypische Systeme.
Und ich werde mich nicht mehr in Strukturen pressen lassen, die mich kleiner machen als meine Wahrheit.
🧠 Warum neurotypische Struktur für neurodivergente Menschen nicht funktioniert
Viele von uns haben ihr ganzes Leben lang versucht, sich an Regeln zu halten, die nie für uns gemacht waren.
Wir haben gelernt:
plane,
strukturiere,
bereite vor,
halte dich an Abläufe,
funktioniere.
Und vielleicht funktioniert das für neurotypische Gehirne. Für Menschen, die in geraden Linien denken und sich erst sicher fühlen, wenn sie den Weg kennen.
Aber wir?
Wir sind nicht linear.
Wir sind wahrnehmungsgeführt.
Wir sind impulsiv-kreativ.
Wir sind tieffühlend-logisch.
Wir sind intuitiv-strukturiert.
Wir funktionieren im Moment – nicht im Vorplanen.
Unsere Struktur entsteht im Fluss.
Nicht in Tabellen.
Nicht in Tools.
Nicht in Marketingempfehlungen.
Und genau deshalb fühlt sich Planen für viele neurodivergente Menschen nicht wie Ordnung an, sondern wie Enge. Wie ein Käfig. Wie Selbstverrat.
💥 Wie mein Nervensystem rebelliert hat – und warum das der eigentliche Angriff war
Als ich versucht habe, meinen Podcast logisch aufzubauen, ist nicht nur mein Kopf ausgestiegen. Es war mein ganzer Körper. Es war, als hätte ich eine alte Wunde wieder geöffnet. Als hätte ich mich zurück in ein System gezwungen, das mich früher kaputt gemacht hat. Und mein Nervensystem hat sofort zurückgeschlagen.
Plötzlich war alles zu viel:
das Geräusch im Wohnzimmer,
das Chaos in der Küche,
die Bedürfnisse meiner Kinder,
jede kleine Unterbrechung.
Ich war gereizt, wütend, überfordert.
Ich war nicht mehr ich.
Ich fühlte mich, als würde mir etwas Bedrohliches im Nacken sitzen – ein Druck, ein Schatten, ein Energiesog. Als wäre ich gleichzeitig bedroht und verlassen.
Aber niemand griff mich an.
Niemand machte etwas falsch.
Der Angriff kam von mir selbst.
Ich hatte gegen meine eigene Wahrheit gearbeitet.
Gegen mein eigenes Nervensystem.
Gegen meine eigene Art zu funktionieren.
Ich hatte versucht, eine neurotypische Struktur auf ein neurodivergentes System zu pressen. Und mein Körper sagte:
„Bitte nicht wieder.
Bitte zwing dich nicht in etwas hinein, das dich klein macht.
Bitte verliere dich nicht noch einmal.“
Mit jedem Gedanken an Planung stieg mein innerer Stress.
Mit jeder Überlegung wurde mein Körper enger.
Mit jeder „logischen Entscheidung“ wurde ich emotional instabiler.
Erst als ich den Plan losließ, kam Frieden.
Erst als ich sagte: „Ich mache es intuitiv.“
wurde mein Körper weich.
Die Welt wurde wieder leiser.
Ich wurde wieder klar.
Ich konnte meine Kinder wieder wahrnehmen.
Ich konnte wieder atmen.
Und ich habe verstanden:
Sobald ich mich selbst verrate, verrate ich auch meine Regulation.
🌱 Diesmal mache ich es anders. Diesmal mache ich es wie ich.
Ich mache meinen Podcast nicht, weil ein Kurs sagt, dass es sinnvoll ist.
Ich mache ihn nicht, weil Struktur angeblich Erfolg bringt.
Ich mache ihn nicht, weil es „so gehört“.
Ich mache ihn, weil mein Herz ihn will.
Und deshalb mache ich ihn:
intuitiv,
gefühlt,
zyklisch,
aus dem Moment heraus,
ohne festen Plan.
Ich entscheide nicht heute, was ich in sechs Wochen sage.
Ich entscheide heute, was heute gesagt werden will.
Das ist keine Schwäche.
Das ist mein System.
Das ist mein Weg.
Das ist meine Wahrheit.
🔥 Für alle, die glauben, sie müssten funktionieren, um richtig zu sein
Dieser Text ist für dich, wenn du dein Leben lang dachtest, du müsstest Dinge „richtig“ machen.
Für dich, wenn du dich schuldig fühlst, weil du keine Struktur halten kannst.
Für dich, wenn du dich klein fühlst, weil du nicht in Systeme passt.
Für dich, wenn du glaubst, du wärst chaotisch, unzuverlässig oder nicht belastbar.
Vielleicht bist du nicht chaotisch.
Vielleicht bist du neurodivergent.
Vielleicht bist du intuitiv.
Vielleicht bist du tief.
Vielleicht bist du weise.
Vielleicht bist du ein Mensch, der Dinge erst dann tun kann, wenn sie innerlich bereit sind.
Und vielleicht… ist genau das deine Stärke.
🌙 Du musst nicht neurotypisch funktionieren, um wertvoll zu sein.
Du darfst neurodivergent leben, arbeiten und kreieren. Ich werde meinen Podcast machen – aber nicht in ihrer Struktur.
In meiner.
So wie ich fühle.
So wie ich bin.
So wie es meiner Wahrheit entspricht.
Denn alles, was ich heute noch erschaffe, entsteht aus mir – nicht aus einem Kurs, nicht aus einer Strategie, nicht aus einer Erwartung.
Und genau dort beginnt mein Frieden.
Schau gerne auf meiner "Für Dich" - Seite vorbei. Da findest du auch den Link zum Podcast und vielleicht, möchtest du auch in eine meiner kostenlosen Telegram-Gruppen kommen. Ich freue mich auf dich.












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