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ADHS – Krankheit, Neurodivergenz oder Superkraft?

  • Autorenbild: Vanessa "Janna" Spies
    Vanessa "Janna" Spies
  • 26. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Dez. 2025


Warum diese Frage das eigentliche Problem verfehlt



Person steht zwischen zwei unterschiedlichen gesellschaftlichen Welten und symbolisiert die Debatte um ADHS zwischen Krankheit, Neurodivergenz und gesellschaftlichen Erwartungen.
Zwischen Anpassung und Anderssein: Warum ADHS nicht nur individuell, sondern gesellschaftlich verstanden werden muss.

ADHS: Krankheit oder Neurodivergenz – warum diese Debatte so emotional ist



Die Frage, ob ADHS eine Krankheit oder Neurodivergenz ist, wird seit Jahren hitzig diskutiert.

Inzwischen sogar härter als je zuvor.


Die einen sagen:


„Wenn wir ADHS nicht klar als Krankheit benennen, wird das Leid der Betroffenen verharmlost.“

Die anderen sagen:


„Wenn wir ADHS nur als Defizit betrachten, zementieren wir das Gefühl, falsch zu sein.“

Beide Seiten haben Recht. Und genau das macht diese Diskussion so schwer auszuhalten.



Warum viele fordern, ADHS klar als Krankheit zu benennen



Es ist wichtig, das zuerst klar auszusprechen:


ADHS verursacht realen Leidensdruck.

Und zwar nicht selten massiven.


Überforderung, Erschöpfung, soziale Ausgrenzung, Selbstzweifel, Burnout, Depressionen. All das ist für viele Menschen mit ADHS keine Theorie, sondern Alltag.


Wer sagt:


„ADHS ist keine Krankheit, sondern nur eine andere Art zu denken“


kann – unbeabsichtigt – genau das auslösen, wovor viele Angst haben:


  • weniger Anerkennung

  • weniger Hilfsangebote

  • weniger medizinische, therapeutische und gesellschaftliche Unterstützung



In einer Gesellschaft, die Hilfe oft nur dann gewährt, wenn etwas offiziell als „krank“ gilt, ist diese Sorge absolut berechtigt.



Warum „ADHS als reine Krankheit“ für viele trotzdem nicht die ganze Wahrheit ist



Gleichzeitig gibt es eine andere Erfahrung, die genauso real ist.


Viele Menschen mit ADHS spüren tief in sich:


„Ich bin nicht kaputt. Ich passe nur nicht in diese Gesellschaft.“

Frei nach dem Motto: „Ich bin gesellschaftsfähig, aber die Gesellschaft ist nicht fähig.“


Nicht das Denken selbst fühlt sich falsch an, sondern die Welt, in die dieses Denken gezwängt wird.


Strenge Zeitpläne.

Lineare Arbeitsmodelle.

Dauerhafte Reizüberflutung.

Leistungsnormen, die nur einen einzigen Funktionstyp kennen.


Hier entsteht eine entscheidende Frage:


👉 Würde ADHS den gleichen Leidensdruck verursachen, wenn unsere Gesellschaft anders gebaut wäre?



Eine kleine Utopie: Wie ADHS in einer anderen Gesellschaft aussehen könnte



Stell dir eine Gesellschaft vor, in der:


  • Pausen nicht als Schwäche gelten

  • Fokus nicht dauerhaft gefordert wird

  • Kreative Sprünge wertvoller sind als lineare Abläufe

  • Arbeit nach Energie statt nach Uhrzeit organisiert ist

  • Rückzug kein Scheitern bedeutet



In einer solchen Gesellschaft wäre ADHS nicht plötzlich „weg“. Aber es wäre nicht automatisch ein dauerhafter Schmerzpunkt.


Der Leidensdruck entsteht oft nicht durch das ADHS selbst, sondern durch den ständigen Versuch, gegen die eigene Neurobiologie zu leben.



Warum trotzdem viele von einer „Superpower“ sprechen – und warum das problematisch sein kann



Ja, es gibt diese Seiten:


  • enorme Kreativität

  • intensive Wahrnehmung

  • außergewöhnliche Lösungsansätze

  • tiefe Empathie

  • hohe Leistungsfähigkeit in passenden Kontexten


Das ist real. Und es darf benannt werden.


Aber:

Wenn ADHS oder AuDHS nur als Superkraft dargestellt wird, entsteht ein neues Problem.


Denn was ist mit den Tagen, an denen nichts davon zugänglich ist?



Wenn ADHS sich nicht wie eine Superkraft anfühlt



Es gibt Tage, da fühlt sich ADHS nicht kreativ, lebendig oder kraftvoll an, sondern einfach nur schwer.


Ich kenne diese Tage gut. Ich bin Autistin mit ADHS.


Heute war so ein Tag.

Schönes Wetter. Ich wollte raus. Mit meiner Familie kurz in die Stadt, vielleicht noch schnell in den Drogeriemarkt.


Und mein System hat gesagt: Nein.


Zu viele Reize.

Zu viel Bewegung.

Zu viel gleichzeitig.


Ich musste nach Hause.


Und ja – in solchen Momenten spüre ich den Leidensdruck ganz direkt. Dann wünsche ich mir, einfach „normal funktionieren“ zu können. Dann tut es weh.


Diese Realität darf nicht übergangen werden – weder durch Schönreden noch durch spirituelle Umdeutung.



ADHS: Fluch oder Segen? Warum diese Rechnung nicht aufgeht


Vielleicht ist genau das der Denkfehler. ADHS auf eine Waage zu legen und zu fragen:


„Was überwiegt – Fluch oder Segen?“

Denn ADHS ist kein einzelnes Merkmal, das man bewerten kann.


Es ist ein Zusammenspiel aus:


  • Nervensystem

  • Umwelt

  • Erwartungen

  • Unterstützung

  • Lebensphase


Manchmal ist es Quelle enormer Kraft.

Manchmal ein echter Leidensweg.

Und oft beides gleichzeitig.



Das eigentliche Problem: Was bedeutet „Hilfe“ überhaupt?


Wenn wir ADHS als Krankheit definieren, stellt sich eine ehrliche Frage:


👉 Hilfe – wofür genau?


  • Damit Menschen „normaler“ werden?

  • Damit sie besser funktionieren?

  • Damit sie sich an ein System anpassen, das sie überfordert?


Oder:


  • damit Bedürfnisse ernst genommen werden

  • damit Räume angepasst werden

  • damit Vielfalt tragfähig wird



Hier liegt der Kern der Debatte.



Ein mögliches Fazit: Beides anerkennen, ohne sich selbst zu verlieren



Vielleicht brauchen wir keine Entweder-oder-Antwort.


Sondern diese Haltung:


  • Ja, ADHS kann extremen Leidensdruck verursachen.

  • Ja, dieser Leidensdruck muss ernst genommen, anerkannt und unterstützt werden.

  • Und ja, ADHS ist auch eine neurodivergente Ausprägung menschlichen Denkens – nicht per se ein Defekt.



Nicht ADHS ist das eigentliche Problem, sondern eine Gesellschaft, die nur für wenige Systeme gebaut ist.


Wenn wir das verstehen, müssen wir Menschen mit ADHS nicht mehr erklären, dass sie falsch sind, sondern beginnen, Räume zu schaffen, in denen sie nicht permanent gegen sich selbst leben müssen.



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