🌀 Neurodivergenz und die Verrücktheit der Normalität
- Vanessa "Janna" Spies

- 2. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Man sagt, neurodivergente Menschen seien anders. Aber manchmal frage ich mich:Ist es wirklich wir, die „anders“ sind –oder ist es die Welt, die verrückt geworden ist?
Wenn Normalität sich unnatürlich anfühlt
Die Welt, wie sie heute funktioniert, folgt einem Takt, den viele von uns gar nicht hören können – oder nicht hören wollen.
Pünktlich sein.
Effizient sein.
Angepasst sein.
Schnell Entscheidungen treffen.
Routinen leben, selbst wenn sie keinen Sinn ergeben.
Für die meisten scheint das selbstverständlich. Für neurodivergente Menschen fühlt es sich oft an, als müsste man ständig gegen sich selbst handeln.
Gegen das eigene Tempo.
Gegen das eigene Bedürfnis nach Tiefe.
Gegen das Bedürfnis, sinnvoll zu handeln, statt einfach nur zu funktionieren.
Der tägliche Bruch mit dem eigenen Sein
Wir lernen früh, das „Richtige“ zu tun – und damit meist das, was sich falsch anfühlt.
Wir zwingen uns, weiterzumachen, obwohl der Körper schon ruft: Pause. Wir sprechen, obwohl wir lieber still wären. Wir lächeln, obwohl uns nach Weinen ist. Wir funktionieren, obwohl unser Inneres längst rebelliert.
Normalität bedeutet in dieser Welt:sich selbst permanent zu übergehen. Und wer das am besten kann, gilt als „stabil“. Wie absurd ist das eigentlich?
Wenn die Welt das Chaos fürchtet
Neurodivergente Menschen werden oft als chaotisch bezeichnet. Aber vielleicht sind wir einfach nur ehrlich.
Vielleicht leben wir das Chaos, das in Wahrheit überall existiert – nur dass wir aufgehört haben, es zu verstecken.
Wir springen zwischen Ideen, weil wir Verbindungen sehen, die andere nicht einmal bemerken.
Wir tauchen tief ein in ein Thema, weil Oberflächlichkeit uns schmerzt.
Wir vergessen die Zeit, weil unser Geist frei ist, wenn er nicht ständig funktionieren muss.
Das ist kein Defekt. Das ist der natürliche Zustand eines Menschen, der noch lebt.
Wenn Leistung wieder Liebe wird
Neurodivergente Menschen sind nicht faul, unkonzentriert oder unorganisiert – sie sind oft unfassbar leistungsfähig, wenn sie in ihrem Element sind.
Wenn sie nicht ständig gezwungen werden, in einer Frequenz zu schwingen, die nicht ihre ist.
Wenn sie dürfen.
Wenn sie frei sind.
Wenn sie sich in etwas vertiefen dürfen, das sie brennt.
Dann geschieht Magie.
Dann entstehen Werke, Systeme, Kunst, Ideen, Lösungen, die sonst niemand erschaffen könnte.
Aber diese Leistung entsteht nicht aus Druck,sondern aus Verbindung. Nicht aus Disziplin,sondern aus Begeisterung.
Wenn du dich wieder erinnerst
Vielleicht geht es gar nicht darum, normal zu werden.Vielleicht geht es darum,wieder wahr zu werden.
Wieder zu fühlen, was stimmt. Wieder zu vertrauen, was kommt. Wieder zu erlauben, was lebt.
Denn irgendwo tief in uns trägt jeder neurodivergente Mensch diesen kindlichen Kern – ungefiltert, neugierig, leidenschaftlich, ehrlich. Und jedes Mal, wenn du gegen dein inneres Gefühl handelst, entfernst du dich ein Stück weiter davon.
Aber jedes Mal, wenn du dich traust, deine innere Wahrheit zu ehren, näherst du dich wieder dir selbst.
Am Ende
Vielleicht ist es nicht die Neurodivergenz, die uns verrückt macht. Vielleicht ist es die Welt, die vergessen hat, wie man wirklich fühlt.
Und vielleicht sind wir nicht hier, um uns in die Normalität einzufügen, sondern um sie zu hinterfragen.
Nicht, weil wir anders sind, sondern weil wir erinnern, was Menschsein einmal war.
💫 Normalität ist das, was übrig bleibt, wenn du dein inneres Feuer löschst. Und Neurodivergenz ist das, was passiert, wenn du es wieder entzündest.












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