Mama mit AuDHS
- Vanessa "Janna" Spies

- 1. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Zwischen Überforderung, Verantwortung und tiefem Verstehen.

Mutter sein mit AuDHS bedeutet, ständig mehrere Ebenen zu halten
Mama mit AuDHS zu sein bedeutet nicht einfach, neurodivergent zu sein und Kinder zu haben.
Es bedeutet, mit einem Nervensystem zu leben, das selbst viel Aufmerksamkeit braucht, und gleichzeitig das tragende Nervensystem für andere zu sein.
Das ist anstrengend.
Nicht punktuell. Sondern dauerhaft.
Der Alltag fordert Präsenz, Regulation, Geduld, Reizverarbeitung und emotionale Verfügbarkeit. Und all das mit einem System, das selbst schnell an Grenzen kommt.
Viele Mütter mit AuDHS funktionieren lange über ihre Kräfte hinaus, weil es keine echte Pause gibt. Kinder brauchen Halt. Und dieser Halt muss oft unabhängig davon da sein, wie es der Mutter gerade geht.
Wenn das eigene Nervensystem besondere Rücksicht braucht
Ein AuDHS-Nervensystem reagiert oft intensiver auf Reize, Emotionen und Stress. Geräusche, Nähe, unerwartete Veränderungen oder emotionale Eskalationen der Kinder können schnell zu Überforderung führen.
Das ist kein persönliches Versagen.
Das ist Neurobiologie.
Das autonome Nervensystem ist häufiger im Alarmzustand. Die Fähigkeit zur Selbstregulation braucht mehr bewusste Unterstützung. Und trotzdem wird von Müttern erwartet, ruhig, stabil und verfügbar zu bleiben.
Dieser innere Spagat ist einer der größten Belastungsfaktoren für Mamas mit AuDHS.
Tragen, obwohl man selbst Halt braucht
Besonders herausfordernd wird es, wenn die Kinder selbst neurodivergent sind.
Dann trifft ein sensibles Nervensystem auf ein anderes sensibles Nervensystem.
Ein autistischer Meltdown, eine emotionale Überforderung, ein scheinbar kleines Nein, das für das Kind wie ein Zusammenbruch der ganzen Welt wirkt. Für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar. Für eine Mama mit AuDHS hingegen oft sofort verständlich.
Nicht theoretisch.
Sondern körperlich.
Man spürt, warum das gerade zu viel ist.
Man weiß, wie sich diese innere Überforderung anfühlt.
Man kennt dieses Gefühl von Kontrollverlust, Enge und innerem Zusammenbruch.
Der stille Vorteil: echtes Verstehen
So belastend diese Nähe sein kann, sie trägt auch etwas sehr Wertvolles in sich.
Mama mit AuDHS zu sein bedeutet oft, die Kinder auf einer Ebene zu verstehen, die über Erziehungskonzepte hinausgeht. Man erkennt früh, was ein Verhalten auslöst. Man spürt, wann es nicht um Trotz geht, sondern um Überforderung.
Ein Nein ist dann nicht einfach ein Nein.
Es ist ein Abbruch von Sicherheit.
Ein Bruch im inneren Halt.
Dieses Verstehen verändert den Umgang. Es schafft Raum für Mitgefühl, auch wenn die Situation herausfordernd bleibt.
Wissenschaftlich betrachtet: Co-Regulation statt Kontrolle
Aus Sicht der Neurobiologie ist genau das entscheidend. Kinder regulieren ihr Nervensystem nicht allein. Sie brauchen Co-Regulation. Ein ruhiges, präsentes Gegenüber, das Halt gibt, wenn das eigene System kippt.
Mütter mit AuDHS können das oft sehr fein. Nicht, weil sie immer ruhig sind. Sondern weil sie wissen, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Nervensystem überfordert ist.
Dieses Wissen ermöglicht eine andere Form von Begleitung. Weniger Kontrolle. Mehr Verständnis für innere Prozesse.
Der große Unterschied zur eigenen Kindheit
Viele Mamas mit AuDHS sind selbst in einer Zeit aufgewachsen, in der Neurodivergenz kaum verstanden wurde. Gefühle wurden bewertet. Reaktionen sanktioniert. Überforderung wurde nicht erkannt.
Heute entsteht etwas Neues.
Nicht, weil alles leicht ist.
Sondern weil Wissen da ist.
Weil Sprache da ist.
Weil Verständnis da ist.
Die Kinder wachsen in einem Umfeld auf, in dem ihr Erleben gesehen wird. In dem ihre Reaktionen nicht automatisch als falsch gelten. In dem sie lernen dürfen, sich selbst zu verstehen.
Das ist ein enormer Unterschied. Und für viele Mütter der wichtigste Sinn hinter all der Anstrengung.
Fluch und Segen gehören zusammen
Mama mit AuDHS zu sein ist beides.
Eine extreme Herausforderung.
Und eine tiefe Ressource.
Es gibt Tage, an denen das eigene Nervensystem kaum trägt. An denen alles zu viel ist. An denen Rückzug nötig wäre, aber nicht möglich ist.
Und es gibt Momente, in denen genau diese neurodivergente Wahrnehmung Nähe schafft. Verbindung. Sicherheit für das Kind.
Beides existiert nebeneinander.
Ohne sich gegenseitig aufzuheben.
Was wirklich zählt
Am Ende geht es nicht darum, perfekt zu regulieren oder immer ruhig zu bleiben.
Es geht darum, die Kinder nicht allein zu lassen mit dem Gefühl, falsch zu sein.
Zu wissen, warum etwas schwer ist, verändert alles.
Für die Kinder.
Und auch für die Mutter.
Fazit
Mama mit AuDHS zu sein bedeutet, mit einem sensiblen Nervensystem Verantwortung zu tragen. Es bedeutet, oft über eigene Grenzen zu gehen. Und gleichzeitig etwas weiterzugeben, das viele selbst nicht hatten.
Verständnis.
Sprache für innere Zustände.
Und das Wissen, dass Überforderung nicht gleichbedeutend mit Versagen ist.
Das macht es nicht leicht.
Aber es macht einen echten Unterschied.
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