top of page

🟣 Wenn Frauen plötzlich erkennen, dass sie autistisch sind – der Moment, in dem eine alte IdentitĂ€t zerbricht und eine neue Wahrheit entsteht

  • Autorenbild: Vanessa "Janna" Spies
    Vanessa "Janna" Spies
  • 22. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
Eine Frau sitzt in einem warmen, hellen Raum und wirkt nachdenklich und erleichtert zugleich – als hĂ€tte sie gerade eine wichtige Erkenntnis ĂŒber sich selbst gewonnen. Die Szene vermittelt Ruhe, Tiefe und IdentitĂ€t.
Der Moment, in dem plötzlich alles Sinn ergibt.

Wenn wir das Wort Autismus hören, haben viele sofort ein Klischeebild im Kopf:


Rain Man.

Ein mathematisches Genie.

Keine Mimik.

Keine Emotionen.

Keine sozialen FĂ€higkeiten.


Ein Bild, das mehr schadet als hilft. Denn die RealitĂ€t sieht völlig anders aus – vor allem bei Frauen.


Autismus ist kein Schubladenbegriff. Er ist ein Spektrum. Und dieses Spektrum ist so breit, so lebendig, so feinfĂŒhlig und vielschichtig, dass unzĂ€hlige Frauen ihr ganzes Leben lang autistisch waren, ohne es jemals zu wissen.


Und wenn der Moment kommt, in dem man erkennt:


„Oh Gott
 das bin ja ich.“



 dann verÀndert das alles.


Nicht, weil Autismus schlimm ist, sondern weil man zum ersten Mal sieht, wie viel man getragen hat, ohne eine ErklĂ€rung dafĂŒr zu haben.



🟣 Der Moment, der alles verschiebt: „Das erklĂ€rt mein ganzes Leben.“



Viele Frauen berichten denselben Satz. Auch ich habe ihn gesagt:


„Ich hĂ€tte nie gedacht, dass ich autistisch bin. Aber plötzlich ergibt alles Sinn.“

Dieser Moment ist kein Aha.

Es ist ein Erdrutschen.

Ein innerer Schock.

Ein Aufatmen und ein Zusammenbrechen zugleich.


Weil plötzlich klar wird:


– Du warst nie empfindlich. Du warst reizoffen.

– Du warst nie kompliziert. Du warst ĂŒberlastet.

– Du warst nie faul. Du warst erschöpft.

– Du warst nie chaotisch. Du warst kontextfokussiert.

– Du warst nie „zu sensibel“. Du warst ungefiltert.

– Du warst nie sozial unbeholfen. Du hast nur alles anders verarbeitet.


Und das ist der Punkt, an dem das Leben in zwei Teile fĂ€llt: vor der Erkenntnis – und danach.



🟣 Warum autistische Frauen so lange unerkannt bleiben



Wir wurden darauf trainiert, uns anzupassen.


Frauen lernen frĂŒh:


✹ freundlich zu sein

✹ empathisch zu wirken

✹ MitgefĂŒhl zu zeigen

✹ sozial kompetent zu erscheinen

✹ nicht aufzufallen

✹ Erwartungen zu erfĂŒllen

✹ niemandem zur Last zu fallen


Also tun wir das. Über Jahrzehnte.


Wir spielen Rollen.

Wir imitieren soziale AblÀufe.

Wir maskieren GefĂŒhle.

Wir kompensieren ReizĂŒberflutung.

Wir analysieren GesprÀche bis zum Umfallen.

Wir funktionieren.


Und weil wir darin so gut sind, sehen andere unseren Autismus nicht.


Aber wir zahlen dafĂŒr mit:


🌑 Erschöpfung

🌑 Überforderung

🌑 ReizschĂ€den

🌑 IdentitĂ€tsverlust

🌑 innerer Überhitzung

🌑 sozialem RĂŒckzug

🌑 einem Nervensystem, das irgendwann zusammenbricht


Und genau dann entsteht oft der Verdacht. Oder die Diagnose.



🟣 Klassisch-autistische Merkmale bei Frauen – genau die, die niemand erkennt



Autistische Frauen sehen in der Regel nicht aus wie die Klischees.

Sie wirken funktional.

Sie wirken sozial.

Sie wirken smart.


Und genau das fĂŒhrt zu Verkennung. Hier sind die typischen Muster, die so viele von uns teilen:


⭐ Reizoffenheit

GerĂ€usche, Stimmen, Licht, Bewegungen – alles kommt ungefiltert ins System.


⭐ Emotionale Tiefe

Nicht „zu viel“, sondern intensiver, direkter, ungepuffert.


⭐ Hyperanalyse

Jede Nachricht, jedes GesprÀch, jedes Detail wird zerlegt wie ein hochkomplexes Puzzle.


⭐ Schwierigkeiten bei ÜbergĂ€ngen

Selbst kleinste Änderungen können das Nervensystem ĂŒberlasten.


⭐ Soziale Erschöpfung trotz sozialem Talent

Man kann sozial wirken – und innerlich gleichzeitig völlig ausbrennen.


⭐ BedĂŒrfnis nach Routinen

Nicht, um Kontrolle auszuĂŒben, sondern um StabilitĂ€t zu schaffen.


⭐ Spezialinteressen

Kein Hobby. Ein Lebensraum.


⭐ Schwierigkeiten, eigene BedĂŒrfnisse zu spĂŒren

Jahrzehntelange Anpassung macht blind fĂŒr das Eigene.


⭐ tiefes MitgefĂŒhl, besonders fĂŒr Kinder, Tiere, Außenseiter

Weil hier echte, klare Kommunikation spĂŒrbar ist.



🟣 Und dann gibt es noch AuDHS – die stille Doppelwucht



Viele autistische Frauen haben gleichzeitig ADHS. Man nennt das AuDHS (nicht als Diagnose, sondern als vereinfachten Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch).


Und das ist nicht selten – es ist extrem hĂ€ufig.


Es bringt diese Mischung mit sich:


✹ innerer Sturm + Ă€ußerer RĂŒckzug

✹ hohe KreativitĂ€t + geringe Alltagsstruktur

✹ impulsives FĂŒhlen + starre Routinen

✹ Freiheitsdrang + SicherheitsbedĂŒrfnis

✹ geniale Ideen + Schwierigkeiten der Umsetzung

✹ extreme Reizoffenheit + extreme Erschöpfung


AuDHS sieht aus wie Chaos, fĂŒhlt sich aber an wie Überleben. Und genau deshalb wird es so selten erkannt – vor allem bei Frauen.



🟣 Das Loch nach der Diagnose – und warum es dazugehört


Viele Frauen fallen nach der Erkenntnis erst einmal:


– in eine IdentitĂ€tskrise

– in Trauer um das Leben, das man hĂ€tte haben können

– in Wut darĂŒber, dass niemand es gesehen hat

– in Scham

– in Erleichterung

– in Überforderung

– in Erschöpfung

– in Klarheit


All das ist normal.vAll das gehört dazu.vDenn was da zerbricht,vist nicht deine Persönlichkeit,vsondern die LĂŒge,vdass du dein Leben lang etwas falsch gemacht hast.


Zum ersten Mal erkennst du:


„Ich war nicht falsch.vIch war autistisch.“

Und das ist kein Verlust.

Es ist ein Heimkommen.



🟣 Was danach entsteht



Es dauert. Es wÀchst langsam. Aber es kommt:


🌿 Selbstannahme

🌿 ein neues Nervensystem-VerstĂ€ndnis

🌿 andere Wege, soziale Energie zu schĂŒtzen

🌿 bessere Struktur durch ND-Freundlichkeit

🌿 Frieden mit Reizoffenheit

🌿 weniger Schuld

🌿 mehr Klarheit

🌿 die Erlaubnis, so zu sein, wie du bist


Autismus ist nicht das Ende eines Weges.


Autismus ist der Anfang eines Lebens, das endlich deiner inneren Wahrheit entspricht.

Ein Leben, in dem du Masken ablegst, dich selbst erkennst und deine Art zu fĂŒhlen, denken und sein nicht mehr als Fehler siehst, sondern als deine Form von Wahrheit.


Du bist nicht falsch.

Du warst nie falsch.

Du warst autistisch.

Und jetzt weißt du es.


Schau gerne auf meiner "FĂŒr dich" - Seite vorbei. Vielleicht findest du dort etwas, dass dich ruft.

Kommentare


Top Stories

bottom of page