Was ist AuDHS? Wenn Autismus und ADHS zusammenkommen
- Vanessa "Janna" Spies

- vor 2 Tagen
- 7 Min. Lesezeit

Hinweis
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder diagnostische Beratung. Wenn du vermutest, dass Autismus, ADHS oder beides bei dir eine Rolle spielen könnte, wende dich an qualifizierte Fachpersonen oder spezialisierte Diagnostikstellen.
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Vielleicht bist du über den Begriff AuDHS gestolpert und hast direkt gespürt:
Das klingt nach mir.
Vielleicht hast du schon lange das Gefühl, dass eine einzige Erklärung nicht reicht. ADHS erklärt einiges. Autismus erklärt anderes. Aber erst zusammen ergibt vieles plötzlich Sinn.
AuDHS beschreibt Menschen, bei denen autistische Merkmale und ADHS-Merkmale gemeinsam auftreten. Der Begriff wird vor allem in der neurodivergenten Community genutzt. Medizinisch wird meist weiterhin von Autismus und ADHS als getrennten Diagnosen gesprochen.
Trotzdem ist wichtig: Autismus und ADHS können gemeinsam vorkommen. Und wenn das der Fall ist, fühlt sich das im Alltag oft widersprüchlich an.
Du brauchst Struktur, aber klassische Routinen halten nicht lange.
Du brauchst Ruhe, aber Unterstimulation macht dich unruhig.
Du sehnst dich nach Ordnung, aber dein Alltag kippt schnell ins Chaos.
Du brauchst Rückzug, aber dein Kopf sucht ständig neue Impulse.
Du kannst funktionieren, aber innerlich ist es oft viel zu viel.
Genau deshalb kann der Begriff AuDHS so entlastend sein.
Er macht sichtbar, was viele Menschen jahrelang nur als persönliches Scheitern verstanden haben.
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Was bedeutet AuDHS?
AuDHS setzt sich aus Autismus und ADHS zusammen.
ADHS ist eine neuroentwicklungsbezogene Besonderheit, die unter anderem mit Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität verbunden sein kann.
Autismus ist ebenfalls neuroentwicklungsbezogen und betrifft unter anderem soziale Kommunikation, soziale Interaktion, wiederkehrende Verhaltensmuster, Interessen und sensorische Verarbeitung.
Wenn beides zusammenkommt, entsteht kein einfacher Mischzustand. Es ist eher ein eigenes inneres Erleben.
Ein Teil von dir braucht vielleicht Vorhersehbarkeit.
Ein anderer Teil braucht Abwechslung.
Ein Teil will alles vorher wissen.
Ein anderer Teil entscheidet spontan.
Ein Teil ist schnell reizüberflutet.
Ein anderer Teil sucht Reize, Bewegung, Ideen oder neue Interessen.
Das kann verwirrend sein. Für dich selbst und für andere. Aber es ist nicht unlogisch. Es zeigt nur, dass dein Nervensystem mehrere Bedürfnisse gleichzeitig ausbalancieren muss.
Warum sich AuDHS oft so widersprüchlich anfühlt
Viele Menschen mit AuDHS erleben ihren Alltag wie ein ständiges inneres Ziehen in verschiedene Richtungen.
Du möchtest einen klaren Plan haben. Sobald der Plan aber zu eng wird, fühlst du dich blockiert.Du möchtest spontan sein. Sobald es wirklich spontan wird, gerät dein System unter Stress.Du brauchst Pausen. Wenn du Pause hast, fällt es dir schwer, wirklich runterzufahren.Du willst Ordnung. Aber der Weg zur Ordnung fühlt sich manchmal größer an als die Ordnung selbst.
Das ist einer der Gründe, warum klassische Tipps oft nicht greifen.
„Mach dir einfach eine Routine.“
„Schreib dir eine Liste.“
„Steh früher auf.“
„Leg dir feste Zeiten fest.“
"Sei konsequenter.“
Solche Tipps können gut gemeint sein. Für ein AuDHS-Nervensystem sind sie oft zu grob. Denn es geht nicht nur um Organisation. Es geht auch um Reize, Energie, Übergänge, Körperwahrnehmung, Sicherheit und innere Belastung.
Typische Anzeichen, die viele wiedererkennen
AuDHS sieht bei jedem Menschen anders aus. Trotzdem gibt es Erfahrungen, die viele Betroffene teilen.
Vielleicht erkennst du dich hier wieder:
Du brauchst sehr viel Ruhe, wirst aber gleichzeitig schnell unruhig, wenn zu wenig passiert.
Du kannst dich extrem tief in ein Thema einarbeiten, aber einfache Alltagsaufgaben bleiben liegen.
Du wirkst nach außen kompetent, bist danach aber völlig erschöpft.
Du bist sozial interessiert, brauchst nach Kontakten aber lange Rückzug.
Du brauchst klare Abläufe, reagierst aber empfindlich auf Druck.
Du möchtest dein Zuhause ordentlich haben, schaffst aber die vielen kleinen Schritte dorthin kaum.
Du vergisst Dinge, obwohl sie dir wichtig sind.
Du nimmst Geräusche, Licht, Gerüche oder Kleidung stärker wahr als andere.
Du hast das Gefühl, dein Alltag besteht aus Dingen, die für andere scheinbar nebenbei laufen.
Wichtig: Diese Liste ist keine Diagnostik. Sie kann dir nur helfen, dein eigenes Erleben einzuordnen.
Wenn du dich stark wiedererkennst und dein Alltag deutlich belastet ist, kann eine fachliche Abklärung sinnvoll sein.
Warum AuDHS oft lange nicht erkannt wird
Viele Menschen mit AuDHS haben früh gelernt, sich anzupassen. Sie beobachten andere.Sie kopieren Verhalten.Sie reißen sich zusammen.Sie unterdrücken Impulse. Sie halten Reize aus.Sie funktionieren, solange es irgendwie geht.
Von außen sieht dann vieles normal aus.
Innen kann es ganz anders sein.
Vielleicht kostet dich jeder Termin Vorbereitung.
Vielleicht brauchst du nach einem Einkauf lange Erholung.
Vielleicht beantwortest du Nachrichten erst spät, obwohl dir Menschen wichtig sind.
Vielleicht hältst du tagsüber alles zusammen und brichst abends innerlich ein.
Vielleicht weiß niemand, wie viel Kraft dich scheinbar einfache Dinge kosten.
Gerade Menschen, die lange maskieren, wirken oft weniger auffällig. Dadurch wird ihr Unterstützungsbedarf leichter übersehen.
Deshalb ist es so wichtig, nicht nur zu fragen:
„Was sieht man von außen?“
Sondern auch:
„Was kostet es innerlich?“
AuDHS im Alltag: Das eigentliche Problem ist oft nicht das Wissen
Viele neurodivergente Menschen wissen sehr genau, was ihnen theoretisch guttun würde.
Mehr Pausen.
Mehr Struktur.
Weniger Reize.
Regelmäßiger essen.
Früher schlafen.
Nicht zu viele Termine.
Bessere Planung.
Mehr Bewegung.
Mehr Ordnung.
Das Problem ist selten fehlendes Wissen. Das Problem ist die Umsetzung in einem Alltag, der ständig mehr verlangt, als das eigene System gerade geben kann.
Genau hier hilft es, kleiner zu denken.
Nicht das ganze Leben neu organisieren. Erst einmal erkennen, was wirklich los ist.
Was überfordert dich regelmäßig?
Welche Reize bringen dein System zum Kippen?
Welche Routinen helfen wirklich?
Welche sind nur theoretisch schön?
Was gibt dir Sicherheit?
Was raubt dir Energie?
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Was im Alltag wirklich helfen kann
Es gibt keine eine Lösung für AuDHS. Aber es gibt kleine Dinge, die den Alltag spürbar entlasten können.
Wichtig ist: Nicht jedes Tool passt zu jedem Menschen. Dein Nervensystem entscheidet.
1. Reizschutz für unterwegs
Wenn Geräusche, Licht oder Menschenmengen schnell zu viel werden, können kleine Reizfilter helfen.
Mögliche Alltagshilfen:
Noise Cancelling Kopfhörer
Ohrstöpsel
Sonnenbrille
Kappe
kleine Tasche mit Dingen, die dich beruhigen
Solche Produkte findest du zum Beispiel über Amazon. Besonders sinnvoll sind sie, wenn du häufig unterwegs bist, einkaufen musst, Termine hast oder mit Kindern in reizintensiven Umgebungen bist.
Meine Empfehlungen
2. Körperliche Regulation
AuDHS sitzt nicht nur im Kopf.
Viele Menschen merken Überlastung körperlich. In Form von Anspannung, innerer Unruhe, Druckgefühl, Erschöpfung, schlechterem Schlaf oder dem Gefühl, nicht mehr richtig im Körper anzukommen.
Hier können körperliche Hilfen unterstützen:
Wärmekissen
weiche Decke
Balancekissen
Trinkflasche als sichtbare Erinnerung
Timer für Pausen
Auch hier geht es nicht um Behandlung. Es geht um kleine Signale an deinen Körper: Du darfst runterfahren.Du darfst dich spüren.Du musst nicht noch mehr aushalten.
Meine Empfehlung
Die Faszien-Produkte von BACKLAXX (spare 10% mit dem Code "NEURODIVERGENT10").
Welche Rolle Faszien wirklich spielen erfährst du in diesem BEITRAG.
3. Sanfte Struktur statt Druck
Viele klassische Planer funktionieren für AuDHS nur kurz.
Sie sehen schön aus, aber sie passen nicht zum echten Alltag. Sie sind zu voll, zu starr oder zu sehr auf Leistung ausgerichtet.
Bei AuDHS braucht Struktur oft etwas anderes:
weniger Perfektion
mehr Spielraumsichtbare Entlastung
kleine Schritte
klare Reizbeobachtung
realistische Routinen
Notfallpläne für schlechte Tage
Genau dafür ist mein AuDHS Setup gedacht.
Es hilft dir, nicht nur Aufgaben zu planen, sondern deinen Alltag so zu gestalten, dass dein Gehirn weniger Entscheidungen treffen muss. So habe ich meinen Alltag gestaltet.
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4. Selfcare, die nicht zusätzlich überfordert
Selfcare muss nicht groß sein.
Gerade bei AuDHS darf Selbstfürsorge klein, wiederholbar und reizarm sein.
Ein Duft, wenn du Düfte gut verträgst.
Eine angenehme Creme.
Ein Shampoo, das sich gut anfühlt.
Ein Getränk, das du wirklich magst.
Ein kurzer Moment im Bad, ohne noch etwas leisten zu müssen.
Ich habe so viel getestet und bin bei einer Marke hängen geblieben, weil mich bisher kein Produkt enttäuscht hat. In diesem Blogartikel gehe ich noch ausführlicher auf meine Nahrungsergänzung ein.
XAXX bietet Produkte aus Bereichen wie Parfum, Hair Care, Care und Nutrition. Wenn du solche Produkte gut verträgst, können sie Teil eines kleinen Selfcare-Rituals sein.
Nicht, weil ein Produkt AuDHS löst, sondern weil ein bewusst gewähltes Ritual deinem System signalisieren kann: Ich bin kurz bei mir.
Meine persönlichen Favoriten für Selfcare:
Volumen Shampoo (Crazy, ich liebe es - extrem ergiebig)
Was du sofort ausprobieren kannst
Du musst nicht warten, bis du dein ganzes Leben verstanden hast.
Du kannst heute mit einer einzigen Beobachtung beginnen.
Frag dich:
Was war heute der Moment, an dem mein System gekippt ist?
War es ein Geräusch?
Ein Gespräch?
Eine Nachricht?
Eine Entscheidung?
Zu wenig Essen?
Zu viel Licht?
Zu viele Unterbrechungen?
Ein Übergang?Ein unerwarteter Planwechsel?
Diese eine Frage kann viel verändern.
Denn je besser du deine Muster erkennst, desto weniger musst du dich selbst beschuldigen.
Dann wird aus „Ich stelle mich an“ vielleicht:
„Mein System war überlastet.“
Aus „Ich bekomme nichts hin“ wird vielleicht:
„Der Schritt war zu groß.“
Aus „Ich bin kompliziert“ wird vielleicht:
„Ich brauche andere Bedingungen.“
Und genau da beginnt ein AuDHS-freundlicher Alltag.
Nicht mit Perfektion. Mit Erkennen.
Brauche ich eine Diagnose?
Eine fachliche Diagnostik kann sehr hilfreich sein, besonders wenn dein Alltag, deine Arbeit, deine Beziehungen oder deine Gesundheit deutlich belastet sind.
Eine Diagnose kann erklären, entlasten und Zugang zu Unterstützung ermöglichen.
Gleichzeitig ist der Weg zur Diagnostik oft nicht leicht. Viele Menschen warten lange, finden schwer passende Stellen oder haben Angst, nicht ernst genommen zu werden.
Du darfst dich auch vor einer Diagnose informieren.
Du darfst Erfahrungsberichte lesen.
Du darfst deine Muster beobachten.
Du darfst dich vorbereiten.Du darfst Fragen sammeln.
Ein Blogartikel ersetzt keine Diagnostik.
Aber er kann dir helfen, dich selbst besser zu verstehen und klarer in den nächsten Schritt zu gehen.
Dein nächster kleiner Schritt
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, musst du jetzt nicht sofort alles ändern.
Vielleicht reicht ein erster Schritt:
Beobachte deine Reize.
Schreib dir deine häufigsten Überforderungsmomente auf.
Lege dir ein kleines Reizschutz-Set für unterwegs an.
Wähle ein körperliches Tool, das dich wirklich beruhigt.
Mach deine Struktur sichtbarer.
Nutze ein Setup, das nicht gegen dein Nervensystem arbeitet. Mein AuDHS Setup kann dich dabei begleiten. Es ist für Menschen gemacht, die sich nicht weiter in klassische Systeme pressen wollen, sondern ihren Alltag neurodivergenzfreundlicher verstehen und gestalten möchten.
Und wenn du weiter begleitet werden möchtest, ohne dich für eine E-Mail-Liste einzutragen, folge gern meinem WhatsApp-Kanal.
Dort teile ich neue Blogartikel, Podcastfolgen, Produkthinweise, kleine Alltagshilfen und ruhige Impulse für neurodivergente Menschen.
Zum Schluss
Vielleicht warst du nie falsch.
Vielleicht hast du nur viel zu lange versucht, in Abläufe zu passen, die dein Nervensystem nicht berücksichtigt haben.
Vielleicht brauchst du keine härtere Disziplin.
Vielleicht brauchst du klarere Reize.
Mehr sichtbare Struktur.
Mehr Pausen.
Mehr Körperwahrnehmung.
Mehr ehrliche Anpassung.
AuDHS kann eine Sprache dafür sein.
Eine Sprache für dieses gleichzeitige Bedürfnis nach Ruhe und Impuls.Nach Struktur und Freiheit.Nach Rückzug und Verbindung.Nach Ordnung und Lebendigkeit. Du musst dich nicht komplett neu erfinden.
Du darfst anfangen, dich genauer zu verstehen.
Und manchmal beginnt genau dort die größte Entlastung.










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