Warum gerade neurodivergente Menschen oft auf der Suche sind – und warum mein Weg mich zurück zu Christus geführt hat
- Vanessa "Janna" Spies

- 5. Aug.
- 4 Min. Lesezeit

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Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben soll. Nicht, weil ich Angst vor dem Thema hätte. Eher, weil es für mich etwas sehr Persönliches ist. Und weil ich gemerkt habe, dass ich erst einmal selbst verstehen musste, was in den letzten Jahren eigentlich alles passiert ist.
Wenn du meinen Blog schon länger kennst, weißt du vielleicht, dass hier früher deutlich mehr über Spiritualität und Glauben zu finden war. Dann wurde es still. Nicht, weil mich diese Themen nicht mehr beschäftigt hätten – sondern weil ich selbst auf einem Weg war. Heute fühlt es sich richtig an, darüber zu schreiben. Nicht als jemand, der behauptet, alle Antworten zu kennen, sondern als jemand, der sehr lange nach ihnen gesucht hat.
Die Suche begann schon als Kind
Eigentlich war ich schon als Kind gläubig. Ich kann das gar nicht anders beschreiben. Gott war für mich einfach da. Ich habe gebetet und hatte das Gefühl, dass jemand zuhört.
Gleichzeitig bin ich aber nicht in einer Familie aufgewachsen, in der der christliche Glaube aktiv gelebt wurde. Es gab also viele Fragen, aber nur wenige Menschen, mit denen ich darüber sprechen konnte.
Und vielleicht kennst du das selbst. Wenn Fragen unbeantwortet bleiben, macht man sich irgendwann alleine auf den Weg.
Warum ich glaube, dass gerade neurodivergente Menschen so oft suchen
Seit ich weiß, dass ich neurodivergent bin, ergibt für mich vieles plötzlich Sinn. Ich glaube nämlich, dass viele Menschen mit ADHS oder Autismus nicht einfach neugierig sind.
Sie müssen verstehen.
Sie hinterfragen Zusammenhänge.
Sie wollen wissen, warum Dinge so sind, wie sie sind.
Sie akzeptieren ein "Das ist eben so" oft nicht.
Ich erkenne mich darin komplett wieder.
Ich wollte verstehen, warum ich anders bin.
Warum ich Dinge so intensiv wahrnehme.
Warum mich manche Situationen völlig erschöpfen, während andere scheinbar problemlos damit umgehen.
Warum ich mich oft wie eine Beobachterin dieser Welt gefühlt habe.
Und irgendwann wurde aus dieser Suche nach Erklärungen eine Suche nach Sinn.
Warum Spiritualität für viele so anziehend ist
Rückblickend glaube ich, dass Spiritualität gerade auf neurodivergente Menschen eine große Anziehungskraft haben kann. Nicht, weil wir leichtgläubiger wären, sondern weil sie Antworten verspricht. Plötzlich scheint alles erklärbar zu sein.
Warum man anders ist.
Warum man bestimmte Dinge wahrnimmt.
Warum man sich nie richtig zugehörig gefühlt hat.
Dazu kommen oft Gemeinschaft, Hoffnung und das Gefühl, endlich Menschen gefunden zu haben, die einen verstehen.
So war es jedenfalls bei mir.
Ich habe viele Jahre in dieser Welt verbracht. Ich habe gelesen, gelernt, hinterfragt und geglaubt, dass ich der Wahrheit immer näher komme. Und trotzdem hatte ich tief in mir oft das Gefühl, dass ich eigentlich nie ankomme. Denn auf jede Antwort folgte die nächste Frage.
Auf jedes Buch das nächste.
Auf jede Erkenntnis noch eine tiefere Erkenntnis.
Die Suche hörte einfach nie auf.
Was ich eigentlich gesucht habe
Heute glaube ich, dass ich gar nicht in erster Linie nach Wissen gesucht habe.
Ich habe Frieden gesucht.
Ich wollte wissen, dass mein Anderssein einen Sinn hat.
Ich wollte verstehen, warum ich so bin, wie ich bin.
Und ich wollte irgendwo ankommen.
Warum ich zum christlichen Glauben zurückgefunden habe
Mein Weg hat mich schließlich wieder zurück zu Christus geführt. Nicht, weil plötzlich alle Fragen verschwunden wären. Ganz ehrlich? Ich stelle wahrscheinlich heute noch genauso viele Fragen wie früher. Vielleicht sogar mehr.
Der Unterschied ist nur, dass ich nicht mehr glaube, alles selbst beantworten zu müssen.
Ich muss nicht mehr ständig nach der nächsten Offenbarung suchen.
Nicht nach der nächsten Methode.
Nicht nach dem nächsten Menschen, der behauptet, endlich die Wahrheit gefunden zu haben.
Im christlichen Glauben habe ich etwas wiedergefunden, das ich unterwegs verloren hatte.
Vertrauen.
Nicht in mich selbst.
Nicht in meine Erkenntnisse.
Sondern in Gott.
Und das hat erstaunlicherweise genau das verändert, wonach ich mein ganzes Leben gesucht habe.
Es ist Frieden eingekehrt. Nicht, weil mein Leben plötzlich einfach geworden wäre, sondern weil ich nicht mehr das Gefühl habe, ständig weiterlaufen zu müssen.
Gerade Neurodivergente müssen nicht perfekt sein
Etwas hat mich in den letzten Monaten besonders berührt.
Jesus begegnet Menschen nie mit den Worten: "Werde erst einmal anders."
Er fordert keine perfekte Persönlichkeit.
Keine perfekte Kommunikation.
Kein perfektes Funktionieren.
Er begegnet Menschen dort, wo sie gerade stehen. Ich glaube, dass das gerade für viele neurodivergente Menschen unglaublich befreiend sein kann. Wir verbringen oft unser ganzes Leben damit, uns anzupassen.
Uns zu erklären.
Zu maskieren.
Zu funktionieren.
Vor Gott müssen wir das nicht.
Wir dürfen kommen, wie wir sind.
Mit unseren Fragen.
Mit unserer Unsicherheit.
Mit unseren Eigenheiten.
Mit unserem Anderssein.
Bücher, die mir auf meinem Weg geholfen haben
Ich werde in Zukunft sicher noch häufiger über dieses Thema schreiben. Nicht, um jemanden zu überzeugen, sondern weil ich glaube, dass viele neurodivergente Menschen ähnliche Fragen beschäftigen.
Falls du selbst auf der Suche bist, möchte ich dir zwei Bücher mitgeben.
Das erste ist „Pardon, ich bin Christ“ von C. S. Lewis. Viele kennen Lewis durch die Chroniken von Narnia. Was ich an diesem Buch so schätze, ist, dass er den christlichen Glauben nicht mit erhobenem Zeigefinger erklärt, sondern mit einer erstaunlichen Klarheit und Logik. Gerade wenn man viele Fragen hat, kann das unglaublich hilfreich sein.
Außerdem lese ich gerade ein Buch über den Zusammenhang von Spiritualität und Autismus. Ich bin noch nicht ganz durch und möchte deshalb noch keine abschließende Empfehlung aussprechen. Aber ich merke schon jetzt, dass mich viele Gedanken darin sehr bewegen. Sobald ich es beendet habe, werde ich sicher auch darüber schreiben.
Falls es dich interessiert, es heißt Autismus und die Verbundenheit mit Gott.
Vielleicht ist dein Anderssein gar kein Zufall
Ich weiß nicht, warum du heute auf diesem Artikel gelandet bist.
Vielleicht bist du gläubig.
Vielleicht bist du spirituell.
Vielleicht glaubst du an gar nichts.
Oder vielleicht bist du einfach nur müde vom ständigen Suchen.
Dann möchte ich dir einfach einen Gedanken mitgeben.
Ich glaube heute nicht mehr, dass mein Anderssein etwas ist, das ich überwinden muss.
Ich glaube, dass Gott mich genau so geschaffen hat.
Mit meiner Neugier.
Mit meinen tausend Fragen.
Mit meinem Wunsch, Zusammenhänge zu verstehen.
Und vielleicht war genau diese Suche am Ende gar nicht das Problem.
Vielleicht hat sie mich genau dorthin geführt, wo ich schon als Kind einmal war.
Zurück zu Christus.







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